zuletzt aktualisiert 16. Dezember 2025
Im Jahr 2025 hat sich der Wind gedreht: Künstliche Intelligenz (KI) ist in den Unternehmen keine Spielwiese für Innovationsabteilungen mehr, sondern harte Realität im operativen Geschäft. Besonders deutlich wird dies im Projektmanagement (PM), einer Disziplin, die traditionell stark auf Prozesse, aber noch stärker auf den Menschen setzt.
Ein aktuelles Impulspapier des Bitkom Arbeitskreises Projektmanagement, basierend auf dem Mitgliedertreffen vom 07.10.2025, sendet eine klare Botschaft, die auch Personalverantwortliche aufhorchen lassen muss: „KI ist längst ein Have-to, kein Nice-to-Have mehr.“
Doch während die Technik rasant voranschreitet, hinkt der Faktor Mensch oft hinterher. Für das Personalwesen ergeben sich aus den präsentierten „Perspektiven, Potenzialen und der Praxis“ vier zentrale Handlungsfelder: Kulturwandel, Kompetenzentwicklung, Neudefinition von Rollenbildern und strategische Organisationsentwicklung.
1. Der Mensch bleibt im Zentrum – Die neue Verantwortung von HR
Einer der zentralen Sätze des Bitkom-Papiers stammt von Silvia Kuhmichel (E.ON) und könnte als Leitsatz für jede HR-KI-Strategie dienen: „Technik ist leicht – Kultur ist schwer.“
Die Einführung von KI-Tools führt in Teams oft zu einer emotionalen Achterbahnfahrt. Nach anfänglicher Begeisterung folgen laut dem Papier „nicht selten Unsicherheit, Misstrauen und ein Rückfall in alte Muster“. Wenn Zweifel überwiegen, sinken Kreativität und Zufriedenheit.
Hier ist HR als kultureller Architekt gefordert. Die Analyse identifiziert konkrete Kulturhebel, die Personalentwickler etablieren müssen:
- Transparenz: Teams müssen verstehen, wie KI-Ergebnisse zustande kommen (erklärbare KI/XAI).
- Entscheidungshoheit: Das Vertrauen muss gewahrt bleiben, dass die letzte Entscheidung beim Menschen liegt.
- Fehlerkultur: Der Fokus muss auf „Lernen statt Schuldzuweisung“ liegen.
Das Fazit des Papiers ist eindeutig: „KI im Projektmanagement ist vor allem ein Kulturprojekt und kein Technikprojekt.“
2. Job-Profile im Wandel: Vom Administrator zum strategischen Leader
Die Angst vor dem Jobverlust ist real. Das Bitkom-Papier zitiert eine OpenAI-Studie vom Oktober 2025, nach der Projektmanager auf der Liste der „gefährdeten“ Berufe stehen. Doch die Experten des Arbeitskreises, darunter Dr. Gerald Bauer (Handz.on) und das Team von IBM, relativieren dies: „KI ersetzt keine Projektmanagerinnen und -manager, sondern unterstützt sie als intelligenter, lernender Partner.“
Für das Recruiting und die Personalentwicklung bedeutet das jedoch eine massive Verschiebung der Anforderungsprofile.
- Automatisierung: Bis zu 80 % der administrativen Aufgaben (Reporting, Ressourcenplanung) können bereits heute von Tools übernommen werden.
- Neue Skills: Die freigewordene Zeit fließt in strategische Führung, Kommunikation und Change Management. „Agentic AI“ und „Prompt Engineering“ werden zu Schlüsselkompetenzen.
- Das neue Rollenbild: Der Projektmanager agiert künftig als „Methodenguide“ und „Coach“, unterstützt von einem virtuellen KI-Assistenten.
HR sollte aus diesem Grund auch die Stellenbeschreibungen erweitern: Die Fähigkeit zur Interaktion mit KI (Human-AI-Teaming) wird zur Kernkompetenz.
3. Upskilling: Deutschland im Rückstand
Ein Weckruf für die Personalentwicklung sind die präsentierten Zahlen zur KI-Nutzung. Hermann del Campo (Orbit IT Solutions) zeigte auf, dass Deutschland im internationalen Vergleich den Anschluss zu verlieren droht:
- Nutzung in China: 83 %
- Nutzung in den USA: 58 %
- Nutzung in deutschen KMU: Lediglich 28 %
Um diesen Rückstand aufzuholen, empfiehlt der Arbeitskreis den Aufbau interner Kompetenzen (damit „Know-how intern vorhanden bleibt“), um Abhängigkeiten von externen Anbietern (Vendor Lock-in) zu vermeiden. Für HR bedeutet das: Investitionen in Weiterbildung und Upskilling sind kein „Benefit“ mehr, sondern überlebenswichtig für die Wettbewerbsfähigkeit. Es gilt, Mitarbeitende zu schulen, damit sie – so das Papier – „nicht alles auf ein Tool / einen Anbieter setzen“.
4. Die Strategie der kleinen Schritte (MVT)
Oft scheitern Transformationsprozesse an zu großen, abstrakten Masterplänen. Der im Dokument vorgestellte MVT-Ansatz (Most Viable Transformation) ist eine direkte Empfehlung für Change-Management-Abteilungen.
Anstatt auf die perfekte Strategie zu warten, gilt die Devise: „Done > Perfect“.
HR sollte Pilotprojekte fördern, in denen Hypothesen zur KI-Nutzung in kurzen Zyklen getestet und bewertet werden (Start-Stop-Continue). Retrospektiven helfen dabei, Erfahrungen zu reflektieren. Dieser iterative Ansatz nimmt den Mitarbeitenden die Angst vor der großen „KI-Revolution“ und macht den Wandel handhabbar.
Fazit für die Personalarbeit
Das Bitkom-Dokument macht deutlich: Wir befinden uns in einer Phase, in der sich die Spreu vom Weizen trennt. Unternehmen, die KI nur als IT-Thema begreifen, werden scheitern.
Für HR-Manager lassen sich aus dem Papier fünf Imperative ableiten:
- Angst nehmen: Positionieren Sie KI als „Sparringspartner“, der entlastet, nicht als Ersatz.
- Kultur stärken: Fördern Sie Transparenz und psychologische Sicherheit im Umgang mit neuen Tools.
- Kompetenz aufbauen: „Prompt Engineering“ und KI-Verständnis gehören in jeden Weiterbildungsplan.
- Führung neu denken: Führungskräfte müssen lernen, Ergebnisse von KI zu interpretieren und in den Kontext zu setzen („Orientierung geben“).
- Machen statt Planen: Unterstützen Sie agile Lernformate und kleine Pilotprojekte statt starrer Großkonzepte.
Wie das Papier treffend schließt: „Fortschritt entsteht durch gezieltes Zusammenspiel von Menschen und Technologie.“ Es ist die Aufgabe von HR, dieses Zusammenspiel zu moderieren.
Quelle: Bitkom e.V., „Künstliche Intelligenz im Projektmanagement – Perspektiven, Potenziale und Praxis“, Zusammenfassung des Arbeitskreistreffens vom 07.10.2025.
Warum ist KI im Projektmanagement laut Bitkom kein „Nice-to-Have“ mehr?
Das Bitkom-Papier macht deutlich, dass KI im Projektmanagement eine geschäftskritische Rolle übernimmt. Prozesse, Entscheidungen und Effizienzgewinne erfordern heute zwingend KI-Unterstützung, wodurch der Einsatz nicht mehr optional, sondern notwendig ist.
Welche kulturellen Herausforderungen entstehen bei der Einführung von KI in Projekten?
Teams reagieren häufig mit Unsicherheit, Misstrauen oder Rückfall in alte Muster. HR muss Transparenz, psychologische Sicherheit, eine moderne Fehlerkultur und klare Entscheidungsprozesse schaffen, um Ängste zu reduzieren.
Welche neuen Rollen und Aufgaben übernehmen Projektmanager durch KI?
Projektmanager wandeln sich vom Administrator zum strategischen Leader. Während KI administrative Aufgaben übernimmt, fokussieren sie stärker auf Führung, Kommunikation, Coaching und Human-AI-Teaming.
Welche Skills werden in Zukunft im Projektmanagement besonders wichtig?
Zu den Schlüsselkompetenzen zählen strategische Führung, Change Management, Kommunikationsstärke sowie technische Skills wie Agentic AI, Prompt Engineering und Verständnis für KI-Outputs.
Warum hinkt Deutschland im internationalen KI-Vergleich hinterher?
Im Vergleich zu China und den USA nutzen deutsche Unternehmen, insbesondere KMU, deutlich weniger KI. Gründe sind fehlendes Know-how, kulturelle Vorbehalte und Abhängigkeit von externen Dienstleistern. Daher ist internes Upskilling entscheidend.
Wie sollte HR der Angst vor Jobverlust durch KI begegnen?
HR sollte klar kommunizieren, dass KI kein Ersatz für Projektmanager ist, sondern ein intelligenter Partner, der entlastet. Der Fokus muss auf Chancen, Kompetenzentwicklung und klaren Rollenbildern liegen.
Was bedeutet der MVT-Ansatz (Most Viable Transformation) für HR?
MVT fordert kleine, iterative Schritte statt perfekter Masterpläne. HR sollte Pilotprojekte fördern, Hypothesen testen und Retrospektiven nutzen, um den Wandel greifbar und angstfrei zu gestalten.
Welche strategischen Aufgaben ergeben sich für HR in der KI-Transformation?
HR muss Kulturentwicklung steuern, Weiterbildungsstrategien entwickeln, neue Rollenprofile definieren und Führungskräfte befähigen, KI-Ergebnisse zu interpretieren und sinnvoll einzusetzen.








