zuletzt aktualisiert 28. September 2026
Einleitung
Wer Künstliche Intelligenz besser versteht, müsste ihre Möglichkeiten und Grenzen eigentlich realistischer einschätzen – und sich deshalb vielleicht weniger Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz machen. Der KI-Monitor 2026 der TU Darmstadt zeigt jedoch einen auffälligen Zusammenhang in die andere Richtung.
Unter Erwerbstätigen mit sehr hohen selbst eingeschätzten KI-Kenntnissen halten 42,8 Prozent den eigenen Arbeitsplatz für durch KI ersetzbar. Bei Menschen mit sehr geringen KI-Kenntnissen sind es lediglich 6,2 Prozent.
Das bedeutet nicht, dass KI-Wissen Angst verursacht. Und erst recht bedeutet es nicht, dass 42,8 Prozent dieser Arbeitsplätze tatsächlich verschwinden werden. Gemessen wird die Einschätzung der Befragten.
Für Personalabteilungen ist der Befund trotzdem relevant. Denn er stellt eine verbreitete Vorstellung infrage: Dass mehr Aufklärung und AI Literacy automatisch dafür sorgen, dass Beschäftigte dem Wandel gelassener begegnen.
Möglicherweise passiert teilweise das Gegenteil: Wer KI besser versteht, erkennt auch genauer, welche Teile der eigenen Arbeit automatisierbar geworden sind.
Für HR folgt daraus eine zentrale Frage: Reicht es aus, Beschäftigte im Umgang mit KI zu schulen – oder muss Personalentwicklung zugleich beantworten, wie sich Aufgaben, Rollen und berufliche Perspektiven verändern?
KI-Monitor 2026: Was wurde untersucht?
Der KI-Monitor der TU Darmstadt liegt 2026 zum dritten Mal vor. Für die Untersuchung befragte YouGov im Auftrag der Forschenden vom 9. bis 12. März 2026 insgesamt 2.133 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren. Die Stichprobe wurde nach Alter, Geschlecht, Bildung und Bundesland quotiert und anschließend gewichtet. Nach Angaben der Forschenden sind die Ergebnisse repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 16 Jahren.
Untersucht wurde unter anderem, wie häufig Menschen KI nutzen, wie sie ihre eigenen Kenntnisse einschätzen, welche Auswirkungen sie auf Arbeit und Arbeitsmarkt erwarten, welche Risiken sie mit KI verbinden und in welchem Umfang sie bereits an KI-Weiterbildungen teilgenommen haben.
Bei der Interpretation ist eine methodische Besonderheit entscheidend: Die KI-Kenntnisse wurden nicht durch einen Kompetenztest gemessen, sondern beruhen auf der Selbsteinschätzung der Befragten. Der Report spricht deshalb selbst ausdrücklich von Vertrautheit mit KI und nicht zwingend von nachgewiesener Kompetenz.
Auch die Aussagen über Arbeitsplatzverluste sind Erwartungen und Selbsteinschätzungen. Der KI-Monitor misst nicht, welche Stellen tatsächlich durch KI weggefallen sind.
KI wird bereits breit genutzt – Weiterbildung hält nicht Schritt
Künstliche Intelligenz ist für einen großen Teil der Bevölkerung längst keine abstrakte Zukunftstechnologie mehr. Laut KI-Monitor haben 72,3 Prozent der Befragten KI bereits genutzt, 46,6 Prozent verwenden sie mindestens wöchentlich.
Am häufigsten dient KI der Recherche und dem Lernen. 71 Prozent der KI-Nutzenden setzen die Technologie dafür ein. 51,9 Prozent nutzen sie zum Erstellen, Überarbeiten oder Übersetzen von Texten, 38,1 Prozent für Brainstorming und Medienerstellung und 16 Prozent für Programmierung und Datenanalyse.
Der hohen Nutzung steht allerdings eine deutliche Weiterbildungslücke gegenüber.
Nur rund 15 Prozent der Gesamtbevölkerung haben bislang an einer KI-Weiterbildung teilgenommen. Für Unternehmen ist die Aufschlüsselung nach Erwerbsstatus noch interessanter:
Unter Erwerbstätigen haben 23,2 Prozent eine KI-Weiterbildung absolviert.
Damit haben auch in dieser Gruppe mehr als drei Viertel bislang keine entsprechende formale Weiterbildung erhalten. Bei Arbeitssuchenden liegt der Anteil laut KI-Monitor sogar nur bei rund vier Prozent.
Der Report weist zudem darauf hin, dass viele intensive KI-Nutzende keine formale Weiterbildung absolviert haben. Ein Teil der Kompetenz entsteht offenbar autodidaktisch. Für Unternehmen stellt sich damit nicht nur die Frage, ob Beschäftigte KI nutzen, sondern auch, ob sie über eine systematisch aufgebaute und überprüfbare Kompetenzbasis verfügen.
Viele erwarten Jobverluste – aber nicht unbedingt für sich selbst
Bevor man auf die Unterschiede nach KI-Kenntnissen schaut, lohnt sich ein weiterer Befund des Monitors.
59,7 Prozent der Erwerbstätigen halten es für wahrscheinlich, dass KI in den kommenden fünf Jahren Arbeitsplätze in vielen Berufen ersetzen wird. Beim eigenen Arbeitsplatz sind es dagegen nur 15,7 Prozent.
Die Forschenden bezeichnen diesen Abstand als „Optimism Bias“: Menschen nehmen ein allgemeines Risiko wahr, schätzen ihre persönliche Betroffenheit aber deutlich geringer ein.
Gerade beim KI-Wissen wird diese Lücke jedoch erheblich kleiner. Und genau hier liegt einer der interessantesten Befunde der Studie.
Mehr KI-Wissen geht mit größerer Sorge um den eigenen Arbeitsplatz einher
Von den Erwerbstätigen mit sehr hohen selbst eingeschätzten KI-Kenntnissen halten 42,8 Prozent ihren eigenen Arbeitsplatz für ersetzbar. Bei sehr geringen Kenntnissen sind es 6,2 Prozent.
Der Abstand beträgt damit mehr als 36 Prozentpunkte.
Eine einfache Erklärung nach dem Muster „Menschen haben Angst vor KI, weil sie die Technologie nicht verstehen“ greift damit zumindest beim Blick auf den eigenen Arbeitsplatz zu kurz.
Eine plausible Interpretation ist: Wer regelmäßig mit generativer KI arbeitet und ihre Fähigkeiten kennt, erlebt unmittelbar, welche Tätigkeiten inzwischen automatisiert oder erheblich beschleunigt werden können.
Ein Softwareentwickler sieht, welchen Code ein KI-System erzeugen kann. Beschäftigte im Marketing erleben, wie schnell Texte, Kampagnenideen und Analysen entstehen. Wissensarbeiter können beobachten, wie KI Dokumente auswertet, Informationen strukturiert oder Präsentationen vorbereitet.
Mehr KI-Wissen könnte deshalb auch dazu führen, das Automatisierungspotenzial der eigenen Arbeit realistischer wahrzunehmen.
Aber: Die Studie zeigt keine Ursache
Genau an dieser Stelle ist Zurückhaltung notwendig.
Aus dem Zusammenhang lässt sich nicht ableiten, dass KI-Wissen die Sorge um den Arbeitsplatz verursacht.
Eine andere Erklärung ist ebenso plausibel: Menschen in besonders KI-exponierten Tätigkeiten beschäftigen sich stärker mit der Technologie. Sie sammeln deshalb mehr Erfahrung mit KI und sehen gleichzeitig eher, dass Teile ihrer eigenen Arbeit automatisiert werden können.
Die Forschenden weisen selbst auf diese offene Wirkungsrichtung hin. Da es sich um eine Querschnittsuntersuchung handelt, sind kausale Aussagen grundsätzlich nicht möglich.
Die Digitalisierbarkeit der Arbeit macht einen großen Unterschied
Für HR ist ein weiterer Befund möglicherweise noch wichtiger als der reine Zusammenhang mit dem KI-Wissen: Wie digital eine Tätigkeit ist, beeinflusst die wahrgenommene Gefährdung erheblich.
Die Forschenden untersuchen dafür, wie gut sich die Ergebnisse einer Tätigkeit digital abbilden lassen. Dazu gehören beispielsweise Texte, Analysen, Berichte, Präsentationen, Programmcode oder andere digitale Arbeitsergebnisse.
In der statistischen Analyse gehören sowohl die KI-Affinität als auch die Digitalisierbarkeit des Arbeitsergebnisses zu den stärksten eigenständigen Faktoren für die Einschätzung, dass der eigene Arbeitsplatz ersetzbar sein könnte.
Besonders deutlich wird das beim Zusammenspiel beider Faktoren:
Bei Beschäftigten mit größtenteils digitalen Tätigkeiten halten 54,2 Prozent der Menschen mit sehr hohen KI-Kenntnissen ihren Arbeitsplatz für ersetzbar. Unter den Beschäftigten mit sehr geringen KI-Kenntnissen sind es lediglich 7,1 Prozent.
Bei kaum oder nicht digitalen Tätigkeiten ist dieser ausgeprägte Wissenseffekt dagegen nicht mehr erkennbar.
Das ist für Unternehmen ein wichtiger Hinweis. Eine pauschale Einteilung nach Branchen oder Berufsbezeichnungen dürfte zu grob sein. Entscheidend ist stärker, welche konkreten Arbeitsergebnisse und Aufgaben einer Tätigkeit digital abbildbar und damit prinzipiell für KI zugänglich sind.
Nicht fragen: Welche Berufe ersetzt KI?
Die Diskussion über KI und Beschäftigung wird häufig über Berufsbezeichnungen geführt:
- Welche Jobs verschwinden?
- Welche Berufe sind sicher?
- Welche Branchen werden besonders stark betroffen sein?
Für die betriebliche Personalplanung ist diese Betrachtung häufig zu grob.
Ein Beruf besteht aus vielen unterschiedlichen Tätigkeiten. Einige davon lassen sich automatisieren, andere durch KI beschleunigen und wieder andere benötigen weiterhin menschliche Interaktion, Kontextwissen, Verantwortung oder praktische Fähigkeiten.
Die sinnvollere Frage lautet deshalb:
Welche konkreten Aufgaben innerhalb einer Stelle können durch KI automatisiert, unterstützt oder grundlegend verändert werden?
Ein Recruiter schreibt beispielsweise Stellenanzeigen, führt Gespräche, stimmt sich mit Führungskräften ab, bewertet Kandidaten, dokumentiert Entscheidungen und kommuniziert mit Bewerbern.
Dass KI einige dieser Tätigkeiten übernehmen oder stark beschleunigen kann, bedeutet nicht automatisch, dass die gesamte Rolle verschwindet. Der Aufgabenmix kann sich jedoch erheblich verändern.
Genau diesen aufgabenbasierten Blick zeigen auch andere aktuelle Arbeitsmarktanalysen. Im PwC AI Jobs Barometer 2026 wurde beispielsweise untersucht, wie sich Kompetenzprofile, Junior-Rollen und Anforderungen in KI-exponierten Tätigkeiten verändern.
Und dort beginnt eine weitere HR-Frage: Wenn Aufgaben, Anforderungen und Verantwortung einer Stelle dauerhaft anders werden, müssen möglicherweise auch Stellenbeschreibung, Joblevel, Kompetenzprofil und Vergütungsstruktur überprüft werden.
Mehr dazu: KI verändert Jobs: Warum HR Stellenbewertung und Vergütungsstrukturen neu denken muss.
Jüngere Beschäftigte sehen den eigenen Job häufiger gefährdet
Auch das Alter spielt eine Rolle.
Nach dem KI-Monitor halten 21,0 Prozent der Erwerbstätigen aus der Generation Z den eigenen Arbeitsplatz für durch KI ersetzbar. Bei Babyboomern sind es lediglich 7,7 Prozent.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ältere Menschen den möglichen Umbruch des Arbeitsmarktes geringer einschätzen. Beim Blick auf den Arbeitsmarkt insgesamt kehrt sich das Muster sogar um: Ältere Befragte erwarten häufiger als jüngere, dass KI viele Arbeitsplätze ersetzen wird.
Der Unterschied liegt also vor allem in der Einschätzung der eigenen Betroffenheit.
Die Forschenden nennen als mögliche Erklärung für die höhere Sorge jüngerer Erwerbstätiger typische Einstiegsaufgaben wie Recherche, Strukturieren, Texten oder die Vorbereitung von Präsentationen – Tätigkeiten also, bei denen generative KI inzwischen besonders leistungsfähig ist.
Auch hier gilt: Das ist keine kausal nachgewiesene Erklärung. Der KI-Monitor zeigt aber, dass ein eigenständiger Alterseffekt auch dann bestehen bleibt, wenn weitere Einflussgrößen berücksichtigt werden.
Stanford liefert dazu ein anderes, aber ergänzendes Signal
An dieser Stelle lohnt sich der Vergleich mit einer Untersuchung, über die wir bereits ausführlich berichtet haben.
Die aktualisierte Stanford-Studie von Erik Brynjolfsson, Bharat Chandar und Ruyu Chen untersucht keine Einschätzungen von Beschäftigten, sondern tatsächliche Payroll-Daten aus den USA.
Dort zeigt sich bei 22- bis 25-Jährigen in besonders KI-exponierten Berufen inzwischen eine auffällige Beschäftigungslücke gegenüber Gleichaltrigen in weniger exponierten Tätigkeiten. Besonders relevant für HR: Der Unterschied entsteht nach der aktualisierten Analyse überwiegend durch geringere Einstellungsraten und nicht durch höhere Trennungsraten.
Auch Stanford kann allerdings weiterhin nicht kausal beweisen, dass generative KI diese Entwicklung verursacht.
Die beiden Studien sollten deshalb nicht als gegenseitige Bestätigung verstanden werden. Sie messen unterschiedliche Dinge:
- TU Darmstadt: Wie Beschäftigte in Deutschland ihre eigene Gefährdung wahrnehmen.
- Stanford: Wie sich die Beschäftigung junger Menschen in unterschiedlich KI-exponierten US-Berufen tatsächlich entwickelt.
Gerade die Kombination ist interessant. Jüngere Beschäftigte äußern nicht nur größere Sorgen. In einem anderen Datensatz gibt es zugleich erste Hinweise darauf, dass sich der Einstieg in bestimmte stark KI-exponierte Berufe tatsächlich schwächer entwickelt.
Mehr dazu: Stanford-Studie: Verdrängt KI Berufseinsteiger zuerst vom Arbeitsmarkt?
Die Weiterbildungslücke ist komplizierter, als sie zunächst aussieht
Aus der niedrigen Weiterbildungsquote lässt sich eine naheliegende Forderung ableiten: Unternehmen müssen mehr in KI-Kompetenz investieren.
Das ist richtig. Der KI-Monitor zeigt aber gleichzeitig, warum die Antwort „mehr Schulungen“ allein zu kurz greift.
Wenn diejenigen, die KI besonders gut kennen, gleichzeitig häufiger ihren eigenen Arbeitsplatz als ersetzbar einschätzen, dürfte ein klassisches Akzeptanzmodell nach dem Muster
Wissen → Verständnis → weniger Sorge
nicht ausreichen.
Dabei liefert der KI-Monitor noch eine wichtige Differenzierung: Menschen mit größerer KI-Nähe sorgen sich bei vielen konkreten Risiken sogar weniger. So sind Halluzinationen, mangelnde Nachvollziehbarkeit und Datenschutz insgesamt wichtige Sorgen, doch erfahrene KI-Nutzende bewerten viele dieser Risiken weniger kritisch als Nicht-Nutzende.
Beim strukturellen Risiko für den eigenen Arbeitsplatz zeigt sich dagegen ein anderes Muster.
AI Literacy kann also durchaus helfen, konkrete technische Risiken besser einzuordnen. Sie beseitigt aber nicht automatisch die Frage, was KI langfristig für die eigene Rolle bedeutet.
AI Literacy muss drei Ebenen verbinden
1. Technologie verstehen
Beschäftigte müssen einschätzen können, was KI leisten kann und was nicht.
Dazu gehören auch Risiken wie Halluzinationen, Datenschutz, Informationssicherheit und die Notwendigkeit menschlicher Kontrolle. Im KI-Monitor sind falsche oder erfundene Inhalte mit 66,3 Prozent die am häufigsten genannte konkrete Sorge. Es folgen mangelnde Nachvollziehbarkeit mit 61,8 Prozent und Datenschutz mit 61,4 Prozent.
2. Auswirkungen auf die eigene Arbeit verstehen
Die zweite Ebene ist persönlicher:
- Welche meiner heutigen Aufgaben können durch KI unterstützt werden?
- Welche lassen sich weitgehend automatisieren?
- Welche Tätigkeiten verändern sich?
- Welche Fähigkeiten gewinnen dadurch an Bedeutung?
Diese Fragen lassen sich nicht sinnvoll in einem unternehmensweiten Standardkurs für alle Rollen beantworten.
3. Eine berufliche Perspektive entwickeln
Der dritte Schritt ist der schwierigste.
Wenn KI bestimmte Tätigkeiten übernimmt, wollen Beschäftigte wissen, was anschließend passiert.
- Welche neuen Aufgaben entstehen?
- Wie verändert sich die eigene Rolle?
- Welche Kompetenzen werden künftig benötigt?
- Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es?
Erst wenn Unternehmen darauf Antworten entwickeln, wird aus KI-Schulung tatsächliche Workforce Transformation.
Was HR aus dem KI-Monitor ableiten kann
Tätigkeiten statt Jobtitel analysieren
Unternehmen sollten Berufe nicht pauschal als „KI-sicher“ oder „KI-gefährdet“ einordnen.
Sinnvoller ist eine systematische Tätigkeitsanalyse: Welche Aufgaben sind standardisiert und wiederholbar? Welche Arbeitsergebnisse liegen vollständig digital vor? Wo kann KI einen relevanten Teil der Arbeit übernehmen? Wo unterstützt sie lediglich? Und wo bleiben menschliches Urteilsvermögen, Verantwortung, Kontext oder soziale Interaktion entscheidend?
Weiterbildung rollenbezogen gestalten
Ein allgemeiner Prompting-Kurs macht eine Organisation noch nicht KI-kompetent.
Recruiting, Controlling, Personalentwicklung, Führungskräfte oder Kundenservice benötigen unterschiedliche Fähigkeiten und unterschiedliche Anwendungsfälle. KI-Weiterbildung sollte deshalb möglichst nah an der tatsächlichen Arbeit stattfinden.
Produktivität und Beschäftigung gemeinsam diskutieren
Viele KI-Projekte werden mit Effizienz- und Produktivitätsgewinnen begründet.
Für Beschäftigte folgt daraus aber unmittelbar eine zweite Frage:
Was passiert mit der eingesparten Arbeitszeit?
Wenn eine Aufgabe statt zehn nur noch fünf Stunden benötigt, kann die gewonnene Kapazität für anspruchsvollere Tätigkeiten genutzt werden. Sie kann aber ebenso dazu führen, dass weniger Personal benötigt wird.
Welche Konsequenz eintritt, ist keine rein technische Frage. Es ist eine organisatorische und strategische Entscheidung des Unternehmens.
KI-affine Beschäftigte als Frühwarnsystem nutzen
Besonders interessant ist die Gruppe, die KI bereits intensiv versteht und nutzt.
Wenn diese Beschäftigten Risiken für die eigene Tätigkeit sehen, sollte das nicht vorschnell als Technikfeindlichkeit oder mangelnde Veränderungsbereitschaft interpretiert werden.
Möglicherweise erkennen gerade sie besonders früh, wo Aufgaben tatsächlich automatisierbar werden.
Für Unternehmen können solche Beschäftigten deshalb wertvolle Partner beim Redesign von Rollen und Prozessen sein.
Nicht mit falschen Gewissheiten kommunizieren
Auch die häufig verwendete Botschaft „KI ersetzt keine Menschen, sondern unterstützt sie nur“ ist problematisch.
Ob sie für ein konkretes Unternehmen stimmt, hängt davon ab, welche Produktivitätsgewinne erzielt werden und wie das Management mit diesen Gewinnen umgeht.
Glaubwürdiger ist eine Kommunikation, die unterscheidet zwischen dem, was bereits absehbar ist, dem, was noch offen ist, und den Entscheidungen, die das Unternehmen selbst beeinflussen kann.
Was der KI-Monitor nicht zeigt
Gerade wegen der zugespitzten Schlagzeile zum Zusammenhang zwischen KI-Wissen und Jobangst sind die Grenzen der Studie wichtig.
Der KI-Monitor zeigt nicht,
- wie viele Arbeitsplätze tatsächlich durch KI verschwinden werden,
- dass 42,8 Prozent der KI-erfahrenen Beschäftigten ihren Job verlieren werden,
- dass mehr KI-Wissen Arbeitsplatzsorgen verursacht,
- welche Berufe tatsächlich ersetzt werden oder
- wie sich die Gesamtbeschäftigung durch KI entwickeln wird.
Die Bundesregierung kam bei der Bewertung der bisherigen deutschen Arbeitsmarktdaten zuletzt ebenfalls zu einem zurückhaltenden Ergebnis: Ein systematischer Beschäftigungsabbau durch den zunehmenden Einsatz von KI lässt sich derzeit für Deutschland nicht belastbar nachweisen.
Mehr dazu: Führt Künstliche Intelligenz bereits zu weniger Arbeitsplätzen in Deutschland?
Auch weitergehende Einschätzungen zur langfristigen Nettoentwicklung des Arbeitsmarktes sollten von den Befragungsergebnissen getrennt werden. Der KI-Monitor kann Aussagen darüber, wie viele neue Tätigkeiten entstehen und wie viele Stellen tatsächlich wegfallen, methodisch nicht beantworten.
Fazit: KI-Kompetenz braucht eine Perspektive auf die eigene Arbeit
Der KI-Monitor 2026 liefert einen bemerkenswerten Befund: Menschen mit besonders hohen KI-Kenntnissen schätzen den eigenen Arbeitsplatz wesentlich häufiger als durch KI ersetzbar ein als Menschen mit geringen Kenntnissen.
Daraus folgt nicht, dass KI-Kompetenz Beschäftigte verunsichert.
Der Befund zeigt aber, dass eine einfache Gleichung nicht funktioniert:
Mehr Wissen über KI führt nicht automatisch zu weniger Sorge vor den Folgen der Technologie.
Für HR ist das entscheidend.
Unternehmen müssen Beschäftigte befähigen, KI kompetent und verantwortungsvoll zu nutzen. Aber sie müssen zugleich beantworten, was diese Technologie für konkrete Tätigkeiten und berufliche Perspektiven bedeutet.
Deshalb sollten AI Literacy, Tätigkeitsanalyse, Job Design, Personalentwicklung und strategische Personalplanung nicht getrennt voneinander behandelt werden.
Denn wer KI besser versteht, stellt möglicherweise nicht weniger Fragen über die eigene berufliche Zukunft.
Sondern die besseren.
Quellen
- Technische Universität Darmstadt: KI-Monitor 2026 – Wie blickt Deutschland auf Künstliche Intelligenz?
- Informationsdienst Wissenschaft: Wer KI versteht, fürchtet stärker um den eigenen Arbeitsplatz
Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.










