zuletzt aktualisiert 14. Oktober 2025
Das AI Workforce Consortium hat am 16. September 2025 seinen zweiten Bericht „ICT in Motion: The Next Wave of AI Integration“ vorgestellt. Die Ergebnisse unterstreichen: 78 % der untersuchten ICT-Rollen in den G7-Staaten beinhalten heute KI-bezogene Kompetenzen. Gleichzeitig wächst die Bedeutung menschlicher Fähigkeiten wie Kommunikation, Zusammenarbeit und Führung, um eine verantwortungsvolle Implementierung von KI sicherzustellen.

Was sind ICT-Rollen?
ICT-Rollen (Information and Communication Technology Rollen) sind berufliche Tätigkeiten, die sich mit der Entwicklung, Anwendung, Verwaltung und Unterstützung von Informations- und Kommunikationstechnologien befassen. Sie umfassen klassische IT-Aufgaben wie Systemadministration oder Softwareentwicklung ebenso wie moderne digitale Innovationsfelder – etwa Cloud-Architektur, Cybersecurity oder KI-Entwicklung.
Der Begriff ICT hebt hervor, dass es nicht nur um reine Informationstechnologie geht, sondern auch um digitale Kommunikationssysteme, mobile Technologien und Plattformen zur Zusammenarbeit. ICT-Rollen bilden damit die Schnittstelle zwischen IT, Kommunikation und digitaler Innovation. Sie sind dynamisch, verändern sich stetig mit technologischen Fortschritten und prägen entscheidend die digitale Arbeitswelt.
Methodik und geografischer Fokus
Die Analyse des Konsortiums basiert auf umfangreichen Jobposting-Daten von Cornerstone und Indeed, die zwischen Juli 2024 und Juni 2025 erhoben wurden. Betrachtet wurden insgesamt 50 ICT- und spezialisierte Supportrollen in den G7-Staaten (Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Vereinigtes Königreich und USA). Mit dieser zweiten Studie setzt das Konsortium seine im Vorjahr begonnene kontinuierliche Beobachtung fort.
KI als Schlüsselfaktor für die digitale Arbeitswelt
Die Untersuchung zeigt, dass sieben der zehn am schnellsten wachsenden Positionen KI-bezogen sind – darunter der AI/ML Engineer, der AI Risk & Governance Specialist oder der NLP Engineer. Besonders stark wächst die Nachfrage nach Skills in den Bereichen Generative KI, Large Language Models (LLMs), Prompt Engineering, KI-Ethik und KI-Sicherheit.
Die Detailauswertung verdeutlicht, wie dynamisch sich die Skill-Anforderungen verschieben:
- KI-Sicherheit: +298 %
- Foundation Model Adaptation: +267 %
- Responsible AI: +256 %
- Multi-Agenten-Systeme: +245 %
Doch technisches Know-how allein reicht nicht aus: Leadership, kritisches Denken und Kommunikationsfähigkeit entwickeln sich zu zentralen Kompetenzen, um KI verantwortungsvoll und im Sinne von Organisationen und Gesellschaft einzusetzen.
Regionale Wachstumszentren
Die Nachfrage nach KI-Fachkräften konzentriert sich nicht nur auf etablierte Tech-Zentren:
- Silicon Valley verzeichnete einen Zuwachs von +156 % bei KI-Jobs.
- London und Toronto bestätigten ihre Rolle als globale KI-Hubs.
- Manchester, Lyon und Vancouver etablierten sich als aufstrebende Standorte mit jeweils über 70 % Wachstum.
Stimmen der Unternehmensvertreter
Die Mitglieder des Konsortiums – darunter Cisco, Accenture, Cornerstone, Eightfold AI, Google, IBM, Indeed, Intel und SAP – betonen in ihren Stellungnahmen, dass es auf eine Balance zwischen technologischer Exzellenz und menschlichen Stärken ankommt.
Cisco: Menschen im Zentrum der Transformation
Francine Katsoudas, Chief People, Policy & Purpose Officer bei Cisco, erklärt:
„KI-Skills eröffnen spannende neue Chancen, doch erst das Zusammenspiel von technischer Expertise und menschlichen Stärken wie Zusammenarbeit und Führung gestaltet eine bessere Zukunft. Wir wollen eine Workforce aufbauen, die bereit für dieses neue Zeitalter ist und allen Menschen die Möglichkeit gibt, zu lernen, beizutragen und zu profitieren.“
Accenture: Ethik und Vertrauen als Erfolgsfaktor
Ryan Oakes, Global Health & Public Service Industry Practices Chair bei Accenture, betont:
„Regierungen und Unternehmen müssen eine Workforce entwickeln, die sowohl technologische Kompetenz als auch menschliche Fähigkeiten vereint. Entscheidend ist, digitale und KI-bezogene Datenkompetenz mit ethischem und sicherem KI-Einsatz zu verknüpfen. So entsteht ein Ökosystem, das Vertrauen aufbaut und bessere Ergebnisse für die Gesellschaft liefert.“
Cornerstone: Anpassungsfähigkeit als Kulturprinzip
Himanshu Palsule, CEO von Cornerstone, warnt vor der Geschwindigkeit der Veränderungen:
„Die Nachfrage nach KI-Skills wächst exponentiell. Doch mit dieser Entwicklung steigt auch die Bedeutung menschlicher Fähigkeiten. Unternehmen müssen eine Kultur der Agilität und Anpassungsfähigkeit schaffen, um erfolgreich zu bleiben.“
Eightfold AI: Human-Centric Design als Erfolgsbedingung
Ashutosh Garg, Co-Founder und CEO von Eightfold AI, unterstreicht:
„Ohne C-Level-Support und ein menschzentriertes Design scheitern viele KI-Initiativen. Der Einsatz von KI darf nicht nur technisch getrieben sein – es braucht ethische Leitlinien und Governance, um nachhaltige Resultate zu erzielen.“
Google: Zugang zu Technologie und Bildung
Lisa Gevelber, Gründerin von Grow with Google, hebt hervor:
„Die Daten sind eindeutig: KI-Kompetenzen sind heute essenziell. Google setzt sich dafür ein, Menschen den Zugang zu modernster Technologie und zu den nötigen Trainings zu ermöglichen, damit alle die Chance haben, im KI-Zeitalter erfolgreich zu sein.“
IBM: KI-Kompetenzen als „neue Währung“
Justina Nixon-Saintil, VP & Chief Impact Officer bei IBM, formuliert es deutlich:
„KI-Fähigkeiten sind von optional zu essentiell geworden – sie sind die neue Währung der Innovation. Unternehmen, die heute investieren, prägen die Zukunft. IBM unterstützt mit SkillsBuild gezielt Lernende, Lehrkräfte und Mitarbeitende dabei, die nötigen Kompetenzen für die KI-Ära zu erwerben.“
Indeed: Neudefinition des Arbeitsmarktes
Svenja Gudell, Chief Economist bei Indeed, sieht weitreichende Umbrüche:
„KI verändert die DNA von Jobs und damit den gesamten Arbeitsmarkt. Unser Auftrag ist es, Menschen Zugang zu den Skills und Chancen dieser neuen Ära zu verschaffen. Innovation und Teilhabe müssen Hand in Hand gehen.“
Intel: Ökosystem für digitale Bildung
Greg Ernst, Corporate VP & Chief Revenue Officer bei Intel, ergänzt:
„KI eröffnet riesige Chancen für Produktivität und Innovation. Doch um sie zu nutzen, braucht es ein starkes Ökosystem für Bildung und Skills-Entwicklung. Nur so kann die Workforce KI verantwortungsvoll einsetzen – heute und in Zukunft.“
SAP: Sicherheit und Ethik im Fokus
Andre Bechtold, President SAP Industries & Experiences, unterstreicht die regulatorische Dimension:
„Es ist entscheidend, KI auf höchstem Sicherheits- und Ethikstandard einzusetzen. Nur so lassen sich Compliance-Anforderungen im Unternehmen effizient umsetzen und gleichzeitig Mitarbeitende für die Innovationsära befähigen.“
Globale Initiativen und Ressourcen
Das Konsortium hat sich verpflichtet, 95 Millionen Menschen bis 2035 weiterzubilden. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden neue Ressourcen geschaffen, die über einen interaktiven AI-Chatbot zugänglich sind:
- AI Workforce Playbook – Leitfaden mit praxisnahen Use Cases, um Workforce-Strategien auf KI-Ziele auszurichten.
- Lernempfehlungen – über 200 kuratierte Kurse zu technischen und KI-bezogenen Skills mit job-spezifischer Orientierung.
- AI Skills Glossar – Standardisierung von Begriffen und Kompetenzen für Bildung, Wirtschaft und Politik.
Relevanz für HR und Personalabteilungen
Für HR-Abteilungen bedeutet der Report:
- Strategisches Skill Management: Vorausschauende Planung, welche KI- und Human Skills in den kommenden Jahren entscheidend sind.
- Upskilling & Reskilling: Kontinuierliche Entwicklung der Belegschaft, um Fachkräftemangel vorzubeugen.
- Ethik & Governance-Kompetenzen: HR muss Mitarbeitende für rechtliche, regulatorische und ethische Aspekte der KI sensibilisieren.
- Fokus auf Soft Skills: Kommunikationsfähigkeit, kritisches Denken und Führungskompetenz sind zentrale Hebel für die verantwortungsvolle Einführung neuer Technologien.
Fazit
Der Bericht des AI Workforce Consortium zeigt klar: Technologische Expertise in KI wird zur Grundvoraussetzung für viele Berufe, doch erst in Kombination mit menschlichen Fähigkeiten entsteht verantwortungsvolle Innovation. Unternehmen sind gefordert, ihre Weiterbildungsstrategien neu auszurichten, um sowohl technologische als auch soziale Kompetenzen gleichermaßen zu fördern.


